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https://www.duolingo.com/profile/sayingthanx

Hintergrundfrage zum Subjuntivo

Nach Zweifel, Verneinung und Nichtwissen wird der subjuntivo ausgelöst. Weiß jemand, warum sich Verneinung dort einreiht? Ein verneinter Relativsatz ("Ich habe keine Schwester, die in Afrika lebt") kann doch genauso Sicherheit ausdrücken wie ein nicht verneinter ("Ich habe eine Schwester, die in Afrika lebt"). Ich möchte gerne verstehen, was dahinter steckt? Wer kann mir weiterhelfen?

February 1, 2016

8 Kommentare


https://www.duolingo.com/profile/RudolfFischer

Viele Sprachen unterscheiden, ob etwas real ist oder nicht. Im Deutschen gibt es die Möglichkeit, den Irrealis zu verwenden.

Wenn man explizit ausdrückt, dass etwas nicht real ist, so gibt es für die betreffende Sprache prinzipiell zwei Interpretationen:

1) Da das Nichtrealsein ja real ist, betrachte ich die Satzaussage als real.

2) Da das Nichtrealsein der höchste Grad des Nichtrealen ist, betrachte ich die Satzaussage als nicht real.

Wenn das stimmt, was du über den Subjunktivo schreibst, folgt Spanisch wohl der Möglichkeit 2.

Jede Aussage im Futur müsste übrigens auch als nicht real gekennzeichnet sein, weil sie ja eine Vermutung / Erwartung / Vorhersage darstellt und keine Feststellung ist. Es gibt nordamerikanische Indianersprachen, die sogar von der Realität her unterscheiden, ob jemand, der etwas berichtet, Augenzeuge war oder ob er es nur von anderen gehört hat.


https://www.duolingo.com/profile/sayingthanx

Du ahnst nicht, wie sehr du mir mit deiner Erklärung weitergeholfen hast. Sie trifft so sehr mein Bedürfnis nach tieferem Verstehen (was mir stumpfes Auswendiglernen erspart), dass mir Tränen in die Augen gestiegen sind. Ab jetzt fällt mir der subjuntivo mit seinen gefühlt 1.000 Anwendungsfällen leichter und das ist mir mindestens 5 Taler wert! Und die noch weitergehende Präzision einiger indigener Völker ist hochinteressant!


https://www.duolingo.com/profile/sayingthanx

Du hast gesagt:

"Jede Aussage im Futur müsste übrigens auch als nicht real gekennzeichnet sein, weil sie ja eine Vermutung / Erwartung / Vorhersage darstellt und keine Feststellung ist."

Dazu sind mir heute früh zwei Gedanken gekommen:

a) Soweit, wie du es hypothetisch verlängert hast, geht man, nach meinem bisherigen Kenntnisstand, im Spanischen nicht. Wenn die Zukunft als objektiv/real betrachtet wird (z.B. "Der Frühling wird kommen"), verwendet man indicativo futuro. Aber: wenn du zähneklappend im November davon sprichst, dass bald der Frühling kommen werde, so wird das (so mein momentaner Kenntnisstand) im subjuntivo futuro ausgedrückt.

b) ABER... könnte man sich nicht auf den Standpunkt stellen, dass bereits das Futur an sich ja eine Kennzeichnung dessen ist, was nicht im Hier und Jetzt real ist :-D? (Diesen Gedanken spreche ich aus grundsätzlicher Freude am Weltbegreifen aus - er ist nicht in Bezug zur spanischen Grammatik, sondern zur Grammatik im Allgemeinen zu verstehen.)

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