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Deutsche Grammatik

jayeidge
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Mir ist bewusst, dass es hier um Französisch geht, aber ich werde zunehmend unzufriedener mit den Deutschen Sätzen.
"Sie schreibt in ihrer Jugend": Was soll das sein? Historischer Präsens? Ein Auszug aus einer Biographie eines Schriftstellers? "Schon in ihrer Jugend schreibt sie Bücher"?
"Ich nehme an, es regnet." Bitte rette jemand die Grammatik hier.
"Ich nehme an: Es regnet" oder "Ich nehme an, dass es regnet" aber der obige Satz ist einfach falsch, wenn auch in der gesprochenen Sprache zunehmend häufiger anzutreffen.
Das sind nur die letzten beiden, die mir über den Weg gelaufen sind. Ich bin selber kein Held der Grammatik. Insbesondere Komma sind meine größten Feinde, ich habe es leider nie richtig gerlernt. Aber so ein bisschen sollte hier schon auf sinnvolle und richtige Sätze geachtet werden. So, ich musste mir das mal eben von der Seele schreiben, da es mich unheimlich nervt.

Vor 4 Jahren

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johaquila
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"Ich nehme an, es regnet." - Ja, was für eine skandalöse neue Mode, der man dringend Einhalt gebieten muss! Es ist sogar schon so weit gekommen, dass man in Wörterbüchern Beispielsätze wie den Folgenden lesen muss:

"Ich glaube, er wird nicht kommen, oder ich glaube nicht, daß er kommen wird."

(Johann Christoph Adelung, Grammatisch-kritisches Wörterbuch der hochdeutschen Mundart, revidierte Ausgabe, zweyter Theil (F-L). Wien 1811.)

Sogar manche Grammatiker glauben, mit der Zeit gehen zu müssen, und verbreiten diese neumodische Unsitte:

"Der Conjunctiv des Präsens ist im gewöhnlichen Gespräch nicht üblich; man setzt dafür lieber den Indicativ. Z. B. ich denke, sie meint es aufrichtig; ich glaube, er ist etwas geizig. Der Satz wird oft direkt ausgedrückt, und das Verbum bloß beigesetzt oder eingeschaltet: Sie sind, denk' ich, auf dem rechten Wege."

(Christian Friedrich Michaelis, Lehrbuch der Deutschen Sprache, Zweiter Theil, die Syntaxis enthaltend. Leipzig 1826.)

Natürlich entblöden sich auch einige unserer modernen Literati nicht, so zu schreiben, wohl aus Rücksicht auf den Publikumsgeschmack. Da die volle Schandliste zu lang wäre, will ich mich mit einigen abschreckenden Exempla begnügen:

  • Achim von Arnim ("Nein, ich glaube, er hat eine andere Liebschaft hier [...]")
  • Gotthold Ephraim Lessing ("Denn ich glaube, er würde es auch nicht besser machen.")
  • August Friedrich Ferdinand von Kotzebue ("[...] und ich glaube, er trauerte noch sonst über Manches, wovon er nicht sprach.")
  • Jean Paul ("Ich glaube, er ließ die Nadeln und die vollgereimten Herzen darum da, weil [...]")
  • Johann Wolfgang von Goethe ("Fürwahr, ich glaube, er hat dich abgeschickt, bey mir zu arbeiten, um nur meine Handlungen auszuspähen [...]")
  • Martin Luther ("Denn ich höre, er rühme sich, er wolle allen Theologen, Philosophen und Universiteten zu schaffen machen.")
  • Christian Fürchtegott Gellert ("Ich dachte, Sie ließen das überhaupt weg").

Für die Vermutung, ein sprachliches Phänomen, das einem selbst vor kurzem erstmals aufgefallen ist, sei eine Neuerung (die dann meist auch gleich den Niedergang der Sprache demonstrieren soll), hat ein amerikanischer Linguist übrigens den Ausdruck recency illusion (etwa: Neuheitsillusion) geprägt.

Auch die Beobachtung, dass sprachpedantische Beschwerden meist nicht nur inhaltlich sondern auch selbst sprachlich problematisch sind, findet sich hier wieder einmal bestätigt. (Wortstellung in "Bitte rette jemand die Grammatik hier". "Komma" statt "Kommata". Falsche Großschreibung des Adjektivs deutsch.) Das erwähne ich aber nur, weil es so ein kurioses Phänomen ist. Natürlich erfordert ein Forumsbeitrag weniger Präzision als ein Beispielsatz.

Vor 4 Jahren

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Zunächst möchte ich dir für diese erhellende, beeindruckend umfangreiche, Zusammenstellung danken. Da war ich wohl einem Irrtum, einer recency illusion, aufgesessen. Das ist das Schöne an Duo, die Versäumnisse und Irrtümer aus Schulzeiten werden aufgearbeitet.
Nur in einem Punkt möchte ich widersprechen: Ob es nun Kommas oder Kommata heißt ist immer wieder ein Streitpunkt. Gemäß Duden sind beide Schreibweisen zulässige Plurale von Komma. Dass mir das Plural-s durchgerutscht ist, ist in der Tat ärgerlich. Etwas Schade finde ich, dass der letzte Absatz bei mir den Eindruck hinterlässt, dass nur derjenige der frei von Fehlern ist, berechtigt sein soll, Fehler oder das was er für Fehler hält, zu berichten. Oder entstand dieser letzte Absatz nur, weil ich den originalen Beitrag leider nicht so sachlich schrieb wie es sinnvoll und angemessen gewesen wäre? Noch einmal Danke für die Erläuterung.

Vor 4 Jahren

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johaquila
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Ich hatte mich tatsächlich etwas geärgert, weil die Leute, die hier ehrenamtlich den Kurs betreuen, sehr viel zu tun haben und insgesamt eine tolle Arbeit machen und es wohl nicht verdient haben, angemotzt zu werden. In einigen älteren Kursen wie z.B. Englisch-Französisch gibt es deutlich mehr Fehler als in diesem hier, aber es hat sich herausgestellt, dass das auch an der Unzulänglichkeit der internen Software liegt. Viele Fehlermeldungen kommen oder kamen bis vor kurzem nicht an, und die Kommentare waren bislang auch immer unsichtbar. Zusammen mit einer Flut an irrtümlichen Fehlermeldungen ist das ein großes Problem.

Mein Ärger ist durch deine vorbildliche (anders als meine!) Reaktion jetzt völlig verflogen. Ich hab solche Gespräche bisher nie auf Deutsch geführt oder mitbekommen, aber sehr häufig auf Englisch. Da geht es in vergleichbaren Fällen fast immer anders weiter, nämlich ungefähr so: "Dass auch die besten Autoren in einem schwachen Moment mal einen Fehler machen, ist keine Entschuldigung, selbst falsch zu schreiben."

Dein Dank für die Erläuterung beschämt mich, denn es war ja nur eine Folge von unerklärten Beispielen. Weil es mich selbst auch interessiert, hab ich das ein bisschen genauer recherchiert und schließlich bei Wikipedia eine Benennung und kurze Erklärung des Phänomens gefunden: Verbzweitsätze als Nebensätze. Die Verben, nach denen solche Nebensätze (die nicht eingeleitet werden und wie Hauptsätze aussehen) stehen, nennt man Brückenverben. Die Bezeichnung ist etwas unglücklich, weil sie im Englischen für Verben steht, hinter denen ein etwas komplizierteres Phänomen auftritt. (Say ist ein bridge verb, weil der folgende Satz grammatisch ist: "What did Sally say that she had secretly read?" Wörtlich: "Was sagte Sally, dass sie heimlich gelesen hätte?") Die beiden Arten von Brückenverben stimmen aber nicht genau überein.

Ich werde mich weiter umschauen, wie weit die Sache auch in deutschen Grammatiken erklärt wird.

Vor 4 Jahren
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